Informationsdefizite der (Finanz-)Bilanz
Die Bilanz ist eine stichtagsbezogene Abbildung des Vermögens und des Kapitals eines Unternehmens. Allerdings werden nur aktivierungsfähige Vermögensgegenstände (z.B. Gebäude, Maschinen) in der Bilanz erfasst. Entscheidendes Kriterium für die Aktivierungsfähigkeit ist die selbständige Verwertbarkeit. Für selbst geschaffene immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens besteht ein Ansatzwahlrecht (§ 248 Abs. 2 Satz 1 HGB), d.h. sie können, müssen aber nicht als Aktivposten in die Bilanz aufgenommen werden, z. B. Entwicklungskosten, selbst erstellte Software. Das Aktivierungswahlrecht wird in der Bilanzierungspraxis nur sehr selten genutzt, vielmehr werden die damit verbundenen Auszahlungen als Aufwand verrechnet. Als Ursache für die geringe Inanspruchnahme des Aktivierungswahlrechts werden die damit verbundenen hohen Kosten (bspw. für Projektcontrolling, Ausschüttungssperre, passive latente Steuern) genannt. Darüber hinaus dürfen selbst geschaffene Marken, Drucktitel, Verlagsrechte, Kundenlisten oder vergleichbare immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens nicht als Vermögensgegenstand in die Bilanz aufgenommen werden. Immateriellen Ressourcen (z. B. Fachwissen der Mitarbeiter, gute Kundenbeziehungen) kommt in vielen Unternehmen jedoch eine wachsende Bedeutung zu. Sie werden in der Bilanz aber nur unzureichend erfasst. Je mehr in immaterielles Vermögen und somit in den zukünftigen Erfolg investiert wird, desto geringer ist der ausgewiesene Gewinn. Somit verschwindet ihr Investitionscharakter.

Wissensbilanz und Lagebericht als Informationsintrument für das interne und externe Reporting